Alltägliches und Spezielles

Von alten schiefen Bauern-Katen

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Inzwischen sind die windschiefen Fachwerkhäuser auf dem Land so selten wie Diamanten. Dass jetzt Freunde noch eins dieser Kleinode gefunden und für einen Spottpreis blitzschnell gekauft haben, grenzt schon an ein Wunder.
Weil wir vor Jahrzehnten durch unsere Pferde-Leidenschaft ein Stückchen Land suchten und dann für teuer Geld eine dieser damals noch häufigeren Katen erstanden und abenteuerlich renoviert haben, möchte ich – praktisch als Lebenshilfe – jetzt mal über die Wandlung alter Fachwerke berichten.

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Frühlingsblüten verschleierten den schlimmen Zustand.

Als wir 1981 (also vor 33 Jahren) erstmals zu dem Kotten kamen, war es noch nicht so idyllisch wie auf dem Frühlingsbild. Wir stampften durch Schneematsch und lernten gleich die Nachbarn kennen, die an diesem Tag die Einschulung ihrer Tochter feierten. Oh je: Sie lebt inzwischen in einem eigenen Haus fernab im Aachener Raum.
Alles war glitschig bei diesem ersten Besuch. Nicht nur auf dem kleinen, mit vermoosten Ziegelsteinen gepflasterten Vorplatz am hohen Deelentor. Und innendrin war es kaum besser – in den ehemaligen kleinen Stallungen, auf dem kleinen Durchgang zum Plumps-Klo ebenso wie in den kleinen Kämmerchen, von denen wir später erfuhren, wieviele Menschen dort unbeschadet drängten, wenn sich die Nachbarn dort mal zum Feiern trafen. Eine unvorstellbare Fülle. (Galerie-Bilder zum Vergrößern anklicken!)

Und nach drei Jahrzehnten ist alles wieder grün geworden. Bild von 2017. Den Nussbaum (rechts) brachte meine Frau nach dem Einzug als Jungpflanze von einer Pressekomferenz mit Förstern im Sauerland mit. Jetzt können wir uns fast alljährlich von Nüssen nicht mehr retten. Und die Blätter machen im Herbst viel Ärger.

2 Gedanken zu „Alltägliches und Spezielles

  1. Die Geschichte des Kottens (im Westfälischen ist dieser Begriff gebräuchlicher als die Bauernkate) reicht bis weit vor die Reformationszeit. Beim Umbau vor unserem Einzug fanden die Architekten viele Balken, die bereits in anderen Häusern benutzt und zum geringen Teil auch von uns wieder eingesetzt wurden. Die Kotten, die hier in der Vorzeit verstreut in der Nachbarschaft lagen, standen allesamt auf dem Land eines Frauenklosters im Dorf. Die Bewohner waren Leibeigene oder zumindest zur Abgabe verpflichtet – in Einzelverträgen aufgeschlüsselt von der Ernte bis zur regelmäßigen Anzahl von Hühnereiern.

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