Für zehn Jahre Brieftauben

Der Anfang: Ein neues Hobby für den 69jährigen

Der Anfang: Ein VanDyck-Geschwisterpaar

Es hat mir niemand erzählt, dass man erstmal fünf Schläge bauen sollte, bevor Tauben angeschafft werden. Deshalb war der Stress schon vorprogrammiert und wird wohl auch noch etliche Zeit anhalten. Die Natur ist eben anpassungsfähiger als der Mensch, der sie zu manipulieren trachtet. Doch der Reihe nach! „Schalke“ hieß die Taube, die 2007 mit ihrem zweiten Platz im fernen Südafrika plötzlich durch den deutschen Presse-Blätterwald raschelte und ihrem Züchter aus dem Ruhrgebiet ein sechsstelliges Sümmchen einbrachte. Was ging denn da ab? Ich versuchte mir diese Frage mit dem Internet zu beantworten und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Tauben, die soviel kosten wie  Rennpferde (der Rekord liegt inzwischen -Frühjahr 2011 – bei 156 000 € für den „Blauen Prinzen“) – und für noch mehr Geld von den Belgiern an Deutsche, Japaner, Amerikaner und vor allen Dingen an Chinesen versteigert werden. Und deren Geschwister dann bevorzugt im Alter von wenigen Wochen per Flugzeug in aller Herren Länder verschickt werden, um gleich in ihrem ersten Jahr unter absolut gleichen Bedingungen ( die während aller bei uns üblichen Wettflüge immer ein Wunschtraum bleiben) bei den sogenannten One-Loft-Rennen um gehörige Sieggelder und viel Ruhm für ihre Züchter zu fliegen. Da hatte sich abseits der Öffentlichkeit international eine Szene entwickelt, die sich bis auf Tauben und teilnehmende Züchter überhaupt nicht mehr mit den Zuständen in Deutschland vergleichen läßt. Hier in Deutschland dümpelt der Taubensport am Rande des Vergessens, stirbt unaufhaltsam mit seinen betagten Anhängern. Alle Organisationen vom Verein, der manchmal auch nur noch aus einem Mitglied besteht, bis hin zum Verband können sich kaum mehr mit der sparsamen Öffentlichkeitsarbeit von Freimaurerlogen vergleichen. Woher sollen da Neuzugänge kommen. Auch mir waren die Tauben während meiner Pennälerjahre und im Berufsleben regelrecht aus den Augen geraten. Obwohl sie mir als Journalisten durchaus in den Themenkreis gepasst hätten. Ich hab über das Aus-Sexen der Küken durch die Japaner geschrieben. Ich bin nach einer Serie über die moderne Rinderzucht mit einem Preis der Landwirtschaft gekört worden. Doch die Tauben kamen mir nie in den Sinn.
Dabei hatte ich bereits im Vorschulalter Tauben. Die zahmste von ihnen, ein Dunkelgehämmerter, musste mit auf „Tour“ in unserem Kinderzirkus und hüpfte dann in irgendwelchen Scheunen naher ländlicher Ortschaften über die Rücken aufgestellter Lexika-Reihen. An Gummiringe und eine teure Uhr war nicht zu denken. Und die Tauben sorgten nach wenigen Monaten für ein Festessen der Familie, weil der kleine Schlag auf der Loggia des Miethauses den Nachbarn nicht verborgen blieb. Ein Onkel tröstete mich zwar mit einem neuen Schlag in seiner Scheune. Aber die lag sechs Kilometer entfernt – auf Dauer zu weit für einen Jungen – Moped oder Motorroller waren damals noch undenkbar. Das waren also meine Erinnerungen beim Neueinstieg mit 69 Jahren. Ich hatte natürlich Kontakt zu einigen Taubenzüchtern, um mich nach einem Verein zu erkundigen. Da waren mir auch die verschiedenen Ausflüge aufgefallen. Aber ich dachte mir nur dabei: So ´ne Masse Tauben muss auch verteilt werden. Und ich wollte ja mehr Qualität als Quantität. Also kein Problem… Um es kurz zu machen: Das erste Paar aus der Internet-Auktion war schnell ersteigert und war auch so schnell da, dass es provisorisch in einen Pferdeanhänger zog. Aber seit ich einem Verein angehöre und den Kollegen Löcher in den Bauch gefragt habe, wird gebaut… Dabei wird einem schnell klar, dass man damit wohl nie mehr aufhören wird. Weil man es immer noch besser machen kann.

Teuerste Brieftaube: Für 250.400 EURO…

…hat der Chinese Hu Zhen Yu von dem Niederländer Pieter Veenstra, einem der weltbesten Taubenzüchter, am Samstag (28-1-2012) gekauft. Für diese gewaltige Summe kann sich der Internet-Auktionsgewinner entweder Dolce Vita (Hollands beste Renntaube der letzten Dekade aus dem Jahr 2008) oder Special Blue (angeblich beste Zuchttaube der Welt aus dem Jahr 2005) aussuchen und wird deshalb demnächst nach Europa kommen.
Bisher lag der Rekord bei 170 000 Euro, die ein Japaner für Euro Diamond, einen Vogel von H.P. & P. Brockamp,ersteigerte. Bei Pipa, der belgischen Versteigerungsplattform, heißt es dazu: „Die Tatsache, dass es nun ein Weibchen ist, die diesen Rekord pulverisiert, ist schon bemerkenswert. Es zeigt aber die große Klasse von Dolce Vita und Special Blue.“
Auch für die deutschen Brieftauben-Sportler war es ein grandioser Samstag: Sie stellten in dem international hochrangigem Feld des südafrikanischen Millionen-Rennens von Sun City die schnellsten vier Tauben und werden am morgigen Sonntag mit 32 Tauben bei der Versteigerung der hundert schnellsten Teilnehmer vertreten sein.

 

Kleine Bilanz des dritten Jahres: 2011

bilanz
Jetzt (21-1-12) wurden die ersten neuen Tauben beringt. Da wird es langsam mal Zeit, eine kleine Bilanz des vergangenen Jahres zu ziehen. Ich errang die Bronze-Medaille bei den Jungtauben. Dagegen reichte es diesmal nur zu einer Derby-Medaille, weil die Konkurrenz zahlreicher wurde – die Kollegen waren nicht mehr so knauserig bei den Einsätzen wie in der Vergangenheit.
Auch im dritten Jahr meines Taubensports ist noch reichlich Luft nach oben. Ohnehin wird es bei meiner Lage innerhalb der RV reichlich schwierig sein, Anschluss an die Spitze zu finden. Dafür mache ich auch immer noch – teilweise durch den verbesserungswürdigen Schlag – zuviele Fehler.
Kurzum: Ich stand nach meiner ersten Saison an 89. Stelle von hundert Züchtern. 2011 war es schon besser:
11. VB-Jungtaubenmeisterschaft
10. RV-Jährigen-Weibchenmeisterschaft
12. RV-Weibchenmeisterschaft
Und ohne zwei technische Handicaps hätte es noch besser ausgesehen. Auf dem letzten Altflug wurden meine Tauben nicht eingekorbt, weil die Uhr an zwei Einsatz-Antennen nicht funktionierte. Zum Jungflug hatte ich dann eine neue Anlage. Doch sie registrierte keine Ankunft, weil ein Kabel defekt war…
Auch züchterisch hoffe ich wieder auf eine Verbesserung, Neu im Zuchtschlag: Eine deBeer-Jungtaube von meinem Warsteiner Freund Sascha Mimberg und drei Spätjunge, die gleichermaßen auf Pranges Eurostar 902 ingezüchtet sind. Dafür wurde ein Paar aussortiert, dessen Nachzucht bei mir überhaupt keine Leistungen zeigte – der „Stammvogel“ eines Saarländers, den ich zu meinem Beginn angeblich nur bekam, weil der Kollege auf die Weitstrecke wechselte und dazu eine Taube, die nur noch als einzige bei einem Mann am Niederrhein herumflog, als ich bei ihm restliche Regale kaufte („Das ist eine ganz gute“).

„Aus gegebenem Anlass…“

Das wird ein Abgesang auf meine „12-6“, ein gehämmertes Jährlingsweibchen, das eben noch zwei Junge groß zog und nun wieder für die neue Saison mit trainierte. Ich fand sie gleich neben der Einfahrt in einem metergroßen Federkreis, in dem auch schon zwei interessierte Krähen hockten. Sie hatten sie wohl dem Greif abgejagt, aber zu spät – man sah allein die tödlich tiefen Wunden der messerscharfen Fänge.
Bei mir war es das dritte Greifvogel-Opfer dieses Winters. Bei vielen Kollegen ist das weitaus schlimmer. So schlimm, dass viele während der sechs Monate um den Jahreswechsel ihre Tauben gar nicht mehr nach draußen lassen.
Doch jeder Verlust hinterläßt nun mal Traurigkeit, dazu aber auch eine verzweifelte Bitterkeit, dass dieses Elend durch eine Klientel von Mitmenschen verursacht wird. Diese Leute haben unter dem Mantel des hehren Naturschutzes für eine Überpopulation der Greife gesorgt, hören nicht auf, an den naturwidrigsten Stellen Falkenhorste zu errichten, mit Webcams auszustatten und sich dafür auch noch feiern zu lassen. Dabei bringen diese Unbelehrbaren ohne Nachdenken die Natur immer mehr durcheinander.
Sorgsam bewacht und beklatscht wachsen in den künstlichen Horsten Generationen auf Generationen heran. Der Bestandsdruck bei den Greifen ist inzwischen fast überall so groß, dass sie sich neue Lebensgründe dort suchen müssen, wo sie noch nie gesichtet wurden. Sperber, Habichte, Falken, die sich am Himmel drängen,  dürfen selbst bei offenkundiger Überpopulation nicht  bejagt werden. Junges Wild, Feldflüchter, Singvögel – alles wird stattdessen weggefangen. Doch die gefeierten Falkenhorst-Schöpfer (auch noch mit Spenden für den „guten Zweck“ reichlich ausgestattet) sind nicht zu bremsen. Ein seltsamer Naturschutz, der die Natur durcheinander bringt und nachhaltig verfälscht. Es bleibt viel Bitterkeit!

Jungtauben-Start (4-3-13): Nach der mit -4 Grad nochmal frostigen Nacht war heute der erste Frühlingstag. Und die ersten mutigen vier Jungtauben von 15 Abgesetzten trauten sich aus dem Sputnik hinaus aufs Abdach. Verlustlos und ohne Komplikationen sprangen sie nach einiger Zeit wieder in den Schlag ein. Vielleicht ist das schon Folge meines Experiments: Ich hab in diesem Jahr zwei Pärchen aus den Reiseteam, mit denen ich züchten will, auf dem Jungschlag brüten lassen. Die jeweiligen Partner der brütenden stürzen sich durch die neugierigen Jungen nach draußen und machen ihnen dann auch vor, wie man schnell wieder in den Schlag einspringt, Das läßt sich gut an…

Jetzt fliegen sie wieder  (22-3-2012): Die immer sehr eifrige und vorbildliche RV Düsseldorf macht am Freitag den 1.Trainingsflugab Burscheid (30 km)! Interessierte Sportfreunde sind willkommen ! Impfbescheinigung/Gesundheitszeugnis bitte vorlegen ! Nutzt das Kaiserwetter !

Die schönste Zeit des Jahres(16-2-2012): Fast täglich kann man jetzt junge Tauben beringen. Eigentlich die schönste Zeit des Jahres für Taubenzüchter. Aus jedem Ei schlüpft eine neue Hoffnung. Weil ich Holzgitterböden habe, muss ständig Nistmaterial nachgelegt werden. Viele Halme fallen leider beim Transport durch die emsigen Tauben immer wieder durch die Gitter. Inzwischen habe ich bemerkt, dass die meisten Paare sich auch gegenseitig die Stengel klauen. Wenn man eine gut gefüllte Nistschale in eine noch unbenutzte Box legt, ist sie im Nu wieder leer. Zwei der vier Spätjungen, die ich zur Zuchtverbesserung einsetzte, haben auch bereits Nachuchs.

Freiflug der Tauben heute (1-2-12) bei minus acht Grad und einem eisigen Ostnordost-Wind, der auch nachts bei minus zehn Grad durch alle Ritzen in die Schläge bläst. Gut, dass ich den östlichen Teil direkt unter den Dachpfannen geräumt habe. Hier reicht bei diesen Temperaturen auch eine normale Tränkenheizung nicht mehr aus. Das habe ich schon mal erlebt. Im Zuchtschlag liegen Holzplatten auf den Rosten für die ersten Jungtauben, die schon auf dem Boden herumhüpfen. So können sie sich auch an den Heizleisten kuscheln, die unten an die Wände gelehnt sind…

Noch so eben:Heute (6-1-12) hab ich mein erstes Junges in 2012 beringt. Es war schon vor Silvester geschlüpft. Und da es ein Einzeltier war (aus dem Esloher und dem Verstappen-Weibchen), gab es doch schon Schwierigkeiten, den Ring über die großen Zehen zu ziehen. Unser neuer RV-Vorstand hatte die Verteilung der Ringe noch nicht richtig organisiert…

Ein schlimmes Jahresende:Heute (Silvester 2011) wurde mir mein schönstes Smothy-Weibchen (Koopman/deZutter) vom Greif geschlagen. Sie hatte 3000 Flugkilometer mitgemacht und wird in der Reisemannschaft fehlen. Ich war ins Haus gerufen worden und hatte draußen nicht aufgepasst. Es war eine Schweinearbeit, die Reste von der Pferdeweide zu sammeln…

Der Fünfer-Turn

(4-4-11) Die Tauben trainieren jetzt im Fünfer-Turn: Zuerst die Weibchen, die ausgezeichnet ziehen und dann noch ausdauernd um den Schlag fliegen – dann die Vögel, die nach dem Ziehen auch noch etliche Male sich mit Klatschen und wilden Haken in neue Runden ums Haus werfen. Puh – Sind sie vielleicht zu früh in Form? Dann kommen über Mittag für einige Stunden die Jungen raus. Und am späten Nachmittag dann nochmals Weibchen und Vögel.

Während man in den Niederlanden schon die ersten Preislisten studieren kann, sollen bei uns Mitte nächster Woche die Vorflüge beginnen. Und bis dahin wollte ich meine beiden Mannschaften zumindest noch zweimal auf kurze Strecken wegbringen – wegen der 15 Späten vom Herbst, die ich noch eingegliedert habe. Die Kollegen schütteln immer den Kopf: „Warum tust du dir das an mit den Herbstjungen?“ Es wird auch zum letzten Mal sein – obwohl in der letzten Saison ein Später zu meiner besten Taube wurde…

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